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Donatus Barnabas Orelli

Wolfgang Martin Orelli

Georg Joseph Orelli

Schweizer Emigrant

„Wer einer Kirche Urheber ist - der ist des Himmels schon ver´gewißt“


Porträt von Donatus Barnabas Orelli
Donatus Barnabas Orelli, Mesner und Kaminkehrer.
Original im Kloster Maria Hilf Vilsbiburg.
Rückseite: Gemalt 1934 von Professor R. Schmid, München

Über den Wallfahrtsstifter von Maria Hilf in Vilsbiburg, dem Kaminkehrer aus der Schweiz Donatus Barnabas Orelli, wurde schon einiges veröffentlicht. Vor 75 Jahren hat Pfarrer Bartholomäus Spirkner eine gute Vorarbeit geleistet, und zur Familien-geschichte der Orelli die Vilsbiburger Pfarrmatrikel, die Tauf-, Hochzeits- und Sterbe-aufzeichnungen durchgesehen und einen kleinen Stammbaum erstellt. [1] Lambert Grasmann hat sich mit der Bau- und Kunstgeschichte der Wallfahrtskirche Maria Hilf auseinandergesetzt. [2]

Abstammung der Orelli

Dass die Orelli ein uraltes Familiengeschlecht waren, lässt sich daraus ersehen, dass die Burg „Castello Visconteo“, ein Bauwerk des 12. Jahrhunderts, welches sich heute noch am Rande der Altstadt von Locarno befindet, als Wohnsitz des kaisertreuen „Capitani Orelli“ vermutet wird. [3] Die Orelli von Locarno gehörten im Hochmittelalter zu den führenden Geschlechtern des Tessins. Hier erbauten sie bei Biasca ihre Burg Castello Degli Orelli. Vermutlich erhielten sie bereits im 12. Jahrhundert vom Mailänder Domkapitel die Herrschaftsrechte über den strategisch wichtigen Ort verliehen. Die Orelli behandelten Biasca wie Eigenbesitz. 1292 konnten sich die Untertanen durch-setzen, ihren Herrn selbst zu wählen. Die entsprechende Urkunde wurde von Heinrich von Orelli auf der Burg in Biasca unterzeichnet. Die Herrschaft der Orelli dauerte bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Mailänder Visconti das Gebiet um Biasca in ihr Territorium eingliederten. [4] Dem Adelsbrief, welcher im Familienarchiv in Zürich aufbe-wahrt ist, ist zu entnehmen, dass die Orelli aus lombardischem Uradel und locarneser Ratsherrengeschlechtern stammten. [5] Zur Familiengeschichte der Orelli gehört die Ver-treibung der reformierten Familie aus dem katholisierten Locarno im Jahr 1555. In der Geschichte von Zürich spielen die Orelli eine große Rolle, denn alle Reformisten, darunter auch die Familie Orelli mussten aufgrund der Beibehaltung des Katholizismus die Gemeinen Herrschaften im Tessin verlassen. [6] Aus diesem Familienzweig ging der Altphilologe Johann Caspar von Orelli hervor. 1787 geboren in Zürich, gestorben am 6. Januar 1849.

Das Wappen

Das Wappen der Orelli, welches sich in der Maria Hilf Kirche von Vilsbiburg auf den Grabsteinen von Donatus und Wolfgang Martin befindet, bestätigt eine adelige Ver-bindung und einen Bezug zu Locarno am Lago Maggiore. In der aufgesetzten Krone oberhalb des Spangenhelms, wird der stehende, heraldisch nach rechts gewendete Löwe aus dem Wappen der Stadt Locarno präsentiert. Des Weiteren erscheinen auf dem Wappenschild zwei weitere Löwen. Der im oberen Wappenteil dargestellte Adler geht auf den Namen Orelli zurück, welcher in der slawischen Sprache Adler bedeutet.


Wappen der Familie Orelli mit den genealogischen Feldern

Auswanderung des Donatus Orelli

Ein lateinisches Schriftstück vom 29. Juli 1678 bezeugt für Donatus Orelli, dass er „ehrlicher“ und adeliger Abstammung sei, nämlich ein Sohn des Johann Alois Barnabas von Orelli und seiner Gattin Lucia Francone, beide aus der Stadt Locarno am Lago Maggiore in der Schweiz. [7] Des Weiteren wurde von Franz von Orelli, welcher „Kanzelist“ war, (vermutlich Kanzleibediensteter oder –schreiber der Gemeinde Locarno) im Auftrag der Kommune bestätigt, dass Donatus Barnabas ehrlich und rechtschaffen die Heimat verlasse und in das Österreichische abwandere. Dieses Schriftstück hatte Orelli zwar nur in Abschrift in Besitz, doch dürfte an der Glaubwürdigkeit nicht zu zweifeln sein. Vorhanden ist noch ein zweites wichtiges Aktenstück, und zwar in lateinischer Sprache und in deutscher Übersetzung: Am 30. März 1684 wird für „Donat de Orel“, dem deutschen Bruder des Unterzeichneten, eine Vollmacht erteilt, ausgestellt in der königlichen Stadt Brünn, in der Markgrafschaft Morania, heute Brno (= Brünn) in Tschechien. Der Unterzeichnende Barnabas Orelli, Bürger und Kaminfeger von Brünn, hat seinem deutschen Bruder Donatus die Vollmacht erteilt, dass er in Brünn walten dürfe, als wäre er, der Unterzeichnende selbst anwesend. Unterschrieben und jeweils gesiegelt ist die Vollmacht durch den gerichtlichen Notar von Brünn Wenceslaus Ferdinandus Cornus, dem Bürger und Wachszieher zu Brünn Jacobus Rudolfus Gallus und dem „Civis et Caminarius“ dem Bürger und Kaminkehrer aus Brünn Barnaba Orel. [8] Bartholomäus Spirkner nennt hier einen „camerarius“, und so wird bei ihm aus dem Kaminkehrer Barnabas Orelli, ein Kammerer oder Bürgermeister von Brünn! [9]

Am 5. April 1734 ist er verstorben, der Vilsbiburger Kaminkehrer Donatus Barnabas Orelli, Gründer der Wallfahrt Maria Hilf, gerade während der heiligen Wandlung. Sein 1753 verstorbener Sohn, der Vilsbiburger Kaminkehrer, Bürger und Mesner Wolfgang Martin und wiederum dessen Sohn und Enkel des Kirchenstifters, der 1788 verstorbene Georg Joseph Orelli haben in der Maria-Hilf-Kirche ihre letzte Ruhestätte gefunden, so steht es in den Vilsbiburger Pfarr-Sterbematrikeln. Drei Orelli-Grabplatten sind in der Kirche Maria Hilf vorhanden.

Entstehung der Wallfahrt

Die Zeit, in welcher Maria Hilf in Vilsbiburg 1686 gegründet wurde, war noch geprägt von der Angst und Bedrohung des christlichen Abendlandes durch die Osmanen, auch wenn sie bereits 1683 vor Wien besiegt waren. [10] Vor diesem Hintergrund wurzeln aber die Anfänge der Wallfahrt auf Maria Hilf. [11]

Was aber war der genaue Hintergrund, dass vor 1678 der Kaminfeger Donatus Orelli die italienische Schweiz und den Heimatort Locarno [12] am schönen Lago Maggiore verlassen hat? War es letztendlich doch die Angst vor den herannahenden kriegeri-schen Osmanen? Orelli erwähnt in seinen Aufzeichnungen die Befreiung von den Osmanen und die glückliche Rückkehr des damaligen Kurfürsten Max Emanuel aus der Schlacht, haben ihn dazu bewegt, als Dank und zur Erinnerung eine Kapelle in Vilsbiburg zu errichten.

Emigranten:

Manche der Handwerker aber auch Handelsmänner und Krämer, welche aus ihrer südlichen Heimat aus-gewandert sind, wurden bei uns sesshaft, was eine hohe Konzentration an südlich klingenden Namen erklären lässt. Die Namen wurden eingedeutscht und aus den Morassi wurden die Morasch, aus den Jacuzzi die Jagutz, aus den Dassi die Dasch oder Däsch. Noch heute erinnern Namen wie Blasini, Deubelli, Morassi, Zenetti oder Zenelli an sie.

Durch Kauf und Einheirat erwarben sie eine Handwerksgerechtigkeit. Ist es einem von ihnen gelungen Fuß zu fassen, so war es keine Seltenheit, dass dieser auch seine Verwandtschaft zu sich holte. Innerhalb kurzer Zeit waren sie in den Bürgerstand aufgestiegen und mancher hatte sogar eine Ratsposition inne.

Als Kaminfeger oder Kaminkehrer emigrierte Donatus Orelli aus der italienischen Schweiz nach Bayern. Der Gründer der Wallfahrt und Urheber von Maria Hilf auf dem Kalvarienberg bei Vilsbiburg, kam aus Locarno am Lago Maggiore. Über Brünn [13] und Landshut kam Orelli um 1678 nach Vilsbiburg, wo ihm am 19. August 1678 das Bürgerrecht verliehen wurde. [14] Drei Tage danach, am 22. August, schreibt der Landshuter Hofkaminkehrer Carl Muralt an den Markt Vilsbiburg, dass sie dem Donat Orelli das Bürgerrecht wieder aberkennen sollen, da er einen „qualifizierten Khnecht“ wie den Orelli unbedingt benötige. Den Antrag wiesen die Vilsbiburger Ratsherren jedoch ab. [15] Orelli gelangte in seiner neuen Heimat an der Vils bald zu Wohlstand und Ansehen.

Einige südländisch sprechende Freunde hatte Orelli hier und in der Umgebung sicherlich; diese waren schon vor ihm da. Es war der damalige Pfleger, was heute der Posten des Landrats wäre, Johann Anton von Maffei, der Aicher Pfarrer Johann Sartorius Apohtoling, der Vilsbiburger Handelsmann und Gastwirt Lorenz Zenelli und dessen Sohn der Binabiburger Pfarrer und Stifter der dortigen Wallfahrtskirche Sankt Salvator, Lorenz Zenelli. Da wären auch noch die oberitalienischen Baumeister zu nennen, die Orelli auch für seine Bauten beauftragte, wie der „welsche“ Baumeister Dominikus Christophorus Zuccalli (gestorben 1702), gebürtig in Roveredo in Italien, dessen Schwiegersohn Franz Giovanelli und der Polier Johann Baptist Ganzerre, der Landauer Maurermeister Dominicus Magazini oder der Stuckateur Giovanni Nicola Perti vom Comer See.

Nachdem sich „Donat Barnaba Orel“ Bürger und Kaminkehrer und seine Frau Ka-tharina Margaretha im Markt Vilsbiburg eingebürgert hatten, stifteten sie 1682 zur Ar-men-Seelen-Bruderschaft eine neue blaue Damast-Fahne um 24 Gulden und kauften sich mit 20 Gulden in die Bruderschaft ein. [16]

In der Unterkirche von Maria Hilf befinden sich zwei Grabtafeln der Vilsbiburger Kaminkehrerfamilie Orelli. Es sind dies die Tafeln des Kirchenstifters selbst, Donatus Barnabas Orelli und des Sohnes Wolfgang Martin Orelli. Die Grabtafel vom Enkel des Kirchenstifters, des Georg Joseph Orelli, ist in der kleinen Kapelle, beim ersten linken Treppenaufgang zur Kirche. Sie alle waren innigst mit Maria Hilf verbunden, der eine als Stifter und Mesner der Wallfahrt, die beiden anderen als Mesner, Küster oder Sakristan. Alle drei, waren aber immer wieder mit vielen Um-, An- und Neubauten der Kirche beschäftigt.

Eine Selbstverständlichkeit war es eigentlich nicht, dass in einer Kirche, welche kein eigenes oberhirtlich erlassenes Sepulturrecht hatte, Begräbnisse gestattet wurden. Anders war dies bei der Stifterfamilie Orelli, welche dieses Begräbnisrecht in „Ihrer“ Kirche eingefordert hatten – aber nicht für alle Familienmitglieder. Nach den Sterbeeintragungen in der Pfarrei Vilsbiburg, wurden die verstorbenen Kinder des Wolfgang Martin und seines Sohnes Georg Joseph im Friedhof der Pfarrei begraben, ebenso ihre Ehefrauen. Das eigentliche Begräbnis war sicherlich im Pfarrfriedhof auf der südlichen Seite der Pfarrkirche. Aber schon bis 1854 sollten hier die Gräber ver-schwunden sein und in der Friedhoferweiterung neue Gräber angelegt werden, was immer wieder unterlaufen wurde. Nachdem am 1. November 1893 ein neuer Friedhofteil nördlich der Pfarrkirche eingeweiht wurde, suchten sich die Orelli auch eine neue Familiengrabstätte. Dies zeigt der Kauf von zwei Grabplätzen im Pfarrfriedhof durch die Kaminkehrersgattin Elise Orelli am 12. April 1894. [17] Bis zur Säkularisation war es schon üblich, betuchte Bürger und Geistliche innerhalb der Kirchenmauern zu begraben, wenn möglich in der Nähe eines selbst gestifteten Altares. Dies wurde dann 1808 unterbunden; im Inneren des Gotteshauses war es nunmehr strikt verboten, Begräbnisse zu begehen, man errichtete sich auf dem Fried-hof eine Grabstätte.


Festkarte zur Orelli-Feier am 2. September 1934 zum 200jährigen Todestag.
1688 und 1703 Portiuncula Ablaß Erteilung an Orelli.
Foto-Kunstanstalt Ida Bergmann, Vilsbiburg. AHV F020211

Donatus Barnabas Orelli, Kirchenstifter

Die Erinnerung an die Madonna auf dem Berg bei Locarno, die Madonna del Sasso auf dem „Sacro Monte“, ließen Orelli fern der Heimat nach einem geeigneten Ort suchen, - einem „Monte“ bei Vilsbiburg - um hier eine Kapelle zu Ehren der Mutter Jesu zu erbauen. In seiner Schweizer Heimat Locarno gab es eine Marienerscheinung vom 14. auf den 15. August, dem Mariä Himmelfahrtstag 1480. Auf dem Sacro Monte wurde mit dem Bau der ersten Kapelle zwischen 1485 und 1487 begonnen. Genau 200 Jahre nach dem Bau der ersten Kapelle in seiner Heimat auf dem Monte bei Locarno, lässt bereits am 26. März 1686 Donatus Orelli auf dem „Monte“ bei Vilsbiburg, welcher sich dann Kalvarienberg nannte, drei Kreuze aufstellen. Das Grundstück, auf einem Berg mit einem Birkenwald umwachsen, welches sich beim so genannten „Bauern am Haus“ befand, hat Orelli von der Vilsbiburger Wein-Gastwirtin Maria Zauner und ihrem ledigen Sohn Georg, Ratsherr, Bürger und Wein-Gastwirt († 18. März 1733) erhalten. Hier möchte Donatus eine „Unser lieben Frauen Hilf Capelle“ erbauen, und dabei drei Kreuze aufrichten, wozu Maria Zauner ihm, dem Orelli, auch einen Weg oder Gangsteig von der „Aicherstraße“ über ihren Grund überlässt. Nach der oberhirtlichen Genehmigung vom 15. Mai 1686 wird am 27. Mai durch Pater Bernhard Hindershueber, Pfarrer und Vikar in Vilsbiburg (von 1675 bis April 1687, dann bis 1695 Abt in St. Veit), der erste Stein für die „Feldkapelle“ gesetzt. Anwesend waren Johann Antonio von Maffei, des Hl. Römischen Reichs Ritter etc., Churfürstlicher Rat und Pfleger von Biburg und Donatus Orelli selbst. Über die Sommermonate hinweg wird fleißig gearbeitet und vor dem Fest des heiligen Jakobus (25. Juli) 1687 war der Bau „a la Rotunda“ fertig. Ihre Exzellenz, Viztum zu Landshut, Baron von Seyboldsdorf hat viel Holz zum Bau gespendet. Der „kunstreiche Architecto“ des Baues war kein geringerer als der „welsche“ Graubündner, Bürger und Maurermeister von Altötting, Dominico Christophoro Zuccalli. Mit Beglaubigung vom 24. Juli 1688 wurde in Rom von Papst Innozenz XI. ein „Vollkommener Ablaß“ für den Tag Mariä Himmelfahrt erwirkt. Fertig gestellt war die Kapelle, mit Turm, zwei Glocken und angebauter Sakristei am 20. Juni 1689. [18] Nun galt es die bischöfliche Genehmigung für eine Benediktion und zur Abhaltung einer heiligen Messe einzuholen. Am 3. August 1689 war es dann so weit. Durch den apostolischen Protonator Pfarrer von Aich, Joannes Sartorius, wurde das Bauwerk benediziert (= ge-segnet), wo auch dann zum ersten Mal das heilige Messopfer gelesen werden konnte. Auch das vom venezianischen Malergesellen Daniel Bisani, in Vilsbiburg gefertigte Bild „Maria Hilf“, wurde zur öffentlichen Verehrung ausgestellt. [19]


Erster Kapellenrundbau von 1689, Baumeister Domenico Christophoro Zuccalli. Fenster im Krippengang Maria Hilf.

Viel an Baumaterial wurde gestiftet. Nach den Aufzeichnungen bezahlte die erste Kapelle der Pfleger von Vilsbiburg Johann Anton von Maffei. Noch im gleichen Jahr der Benediktion, wurde am 12. November 1689 durch Papst Alexander VIII. für den 2. August der Portiuncula-Ablaß erwirkt, welcher am 26. Mai 1690 vom Regensburger Bischof zugelassen wurde. Am Vorfest für Portiuncula, wurden am 1. August 1690 durch den Regensburger Bischof Albert Ernest Graf von Wartenberg, die von Orelli in Rom erhaltenen Reliquien, in einer feierlichen Prozession aus der Pfarrkirche in die Maria Hilf Kapelle überführt. [20]


Votivbild von 1695. Barocker Hochaltar (schon in der Doppelkapelle). Zwei Engel in
Stuck halten das Gnadenbild. Ganz oben, das Wappen von Orelli, ein nach rechts gerichteter
Löwe, darüber Bischofs-, oder Abtinsignien (St. Veit?). Auf der Mensa stehen drei
Reliquienkästen. Draufsicht: links der Votant, rechts die Insignien „EXVOTO, 1695, S. H. C.“

1691 ist der vordere Teil der (Doppel-)Kapelle fertig gestellt, wo bereits das wunder-tätige Bild „Maria Hilf“ aufgestellt ist. Am 14. August 1695 wird die Kapelle von Weih-bischof Graf von Wartenberg konsekriert, somit geweiht, und am 20. März 1703 stellt Erzbischof Joseph Klemens das Attest für die Konsekration des neu erbauten barocken Kirchenschiffes aus, so wie es auf dem Stich von Michael Wening zu sehen ist. Die Kirche auf dem Kalvarienberg bei Vilsbiburg samt den sieben Passions-Kapellen, wurde am 12. August 1703 der Hauptkirche in Rom bei Sankt Johannes von Lateran einverleibt und am 20. Mai 1704 mit den Ablässen veröffentlicht.

Orelli widmete sich mit voller Hingabe dem jungen Gnadenort und bekleidete neben seiner täglichen Arbeit als Kaminfeger auch das Amt des Mesners in der Wallfahrts-kapelle. 1693 baut sich Orelli bei der Kirche ein Wohnhaus, da immer wieder Diebstähle vorgekommen waren.

Zu Ende des 17. Jahrhunderts erfuhr das Gnadenbild der Madonna del Sasso in Locarno eine große Blüte, und so sollte es auch in Vilsbiburg werden. Orelli sah im Ausbau und in der Betreuung der Wallfahrt seine Lebensaufgabe.


Doppel-Rundkapellenbau von 1695. Fenster im Krippengang Maria Hilf.

Mäzene, Zustifter und Taufpaten!

Orelli hatte in Rom hohe Gönner und einen einflussreichen Fürsprecher. Der Churfürstliche Pfleger in Vilsbiburg (heute etwa Landrat) Herr von Maffei war dem Vorhaben von Orelli immer gut gesonnen. Er soll ein Verwandter des Papstes Klemens XI. gewesen sein, der schon vor seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl (am 23. November 1700) als päpstlicher Geheim-sekretär und später als Kardinal Orellis Bestrebungen wirksam fördern konnte. Auch kam Orelli sicherlich ein anderer günstiger Umstand zustatten, Papst Innozenz XI. (1676 bis 1689 Papst) stammte aus Como in Oberitalien, und war im weiteren Sinne Orellis Landsmann. [21]

- Johann Anton von Maffei war von 1662 bis zu seinem Tod am 18. VI. 1701 Vilsbiburger Pfleger. Er gilt auch als zweiter Stifter der Wallfahrt auf Maria Hilf. Er war Hofrat, Pfleger und Mautner und hatte 1690 noch fünf unversorgte Kinder. Seine 1681 verstorbene Gattin scheint aus Tirol gewesen zu sein. Der Vater des Johann Anton war Leibarzt und Rat in Innsbruck. Das Vilsbiburger Pflegeramt hatte nach dem Tod seines Vaters bis 1705 der ältere Sohn Joseph Johann Anton Anastasius. Seit 1692 hatte er jedoch schon ein Anrecht auf dieses Amt auf Ver-mittlung von Madame la Dauphine, der Schwester des bayerischen Kurfürsten. Am 24. Juli 1704 setzen sich der Pfleger Maffei und der Vilsbiburger Vizekammerer Wolfgang Reithmayr für zwei Kapuzinerpatres ein, die Vilsbiburg verlassen sollten. Reithmayr stellt 1705 ein Grundstück für den Bau eines Kapuzinerklosters zur Verfügung.

- Bis 1707 war die Witwe Johanna Maria Franziska Maffei die Vilsbiburger Pflegerin, eine ge-borene Freiin von Herwarth. Danach bis 1714 war Georg Joseph Anton Freiherr von Closen der oberste Herr in Vilsbiburg, worauf bis zu dessen Tod am 14. VIII. 1735 Johann Thaddäus Nicolaus von Mändl, Freiherr von Deutenkofen und Rinnenthal folgte. Als Begleitperson auf einer Reise des Kurfürsten von Isareck nach Altötting, ist er „beim Vorritt“ bei Aich (Gde. Bodenkirchen) tot vom Pferd gefallen. Seine Gattin Maria Theresia, eine geborene Reichsgräfin von Lodron, hatte die Pflegsnutzung bis zu ihrem Tod am 11. VI. 1740. Sie machte für Maria Hilf eine Spende von 800 Gulden. Weitere Pfleger waren bis 1763 Graf von Törring und Maria Antonia Freiin von Lerchenfeld, welche sich nach der Verheiratung Freifrau von Zündt nannte. 1799 erfolgten die Auflösung des Vilsbiburger Pflegamtes und die baldige Errichtung eines provisorischen Landgerichts. [22]

- Die Orelli hatten zu allen „hohen Herren“ ein gutes Verhältnis, was sich sicherlich auch auf die Bau- und Verwaltungsaufgaben und die Zustiftungen sehr gut auswirkte.

- Der Vilsbiburger Gerichtsschreiber Johann Georg Mayr war der Taufpate des Enkels von Donatus Orelli. Der Taufeintrag für Johann Georg Joseph ist am 13. III. 1728, Sohn des Wolfgang Martin Orelli, Kaminkehrer, und der Maria Viktoria. Taufpate ist Herr Johann Georg Mayr, archigramatäus (Meister des Schreibens). Mayr sitzt an oberster Stelle und hat das Amt des Vilsbiburger Pflegs- und Mautamtsverwesers (Verwalter) oder Gerichtsschreibers von 1724 bis 1765, war aber vorher schon 13 Jahre Oberschreiber. Seine Gattin ist die nobilis Domina, die Edle Dame Maria Anna Mayr, Vilsbiburger Pflegskommissarin. Mayr, der in Vilsbiburg eine „eigene Behausung“ hatte, starb am 25. II. 1770, über 80 Jahre alt. Als Mayr auf dem Posten des Pflegsverwesers resigniert hatte, stehen als Taufpate bei den Orellikindern, Mayr selbst, und die gratia pränobilis Domina, die liebenswürdige hochverehrte Dame, Josepha Maria Therese Bezold, geborene von Gmainer, Pflegscommissarin von Vilsbiburg in den Taufmatrikeln der Pfar-rei. Auch ihr Gatte, der Landshuter Regimentsrat Johann Nepomuk Bezold, von 1765 bis zu seinem Tode 1770 Pfleggerichts-, Kasten- und Mautamtskommissär von Vilsbiburg und Geisen-hausen, ist als Taufpate für die Orelli tätig. Nach dem Tod von Nepomuk Bezold heiratet Maria Theresia den Graf Lerchenfeld`schen Sekretär Franz Ferdinand Eisenhut, welcher den Posten des Vilsbiburger Pflegskommissär erhält und der Taufpate des am 15. XII. 1771 getauften Ferdinand Orelli ist.

- Erwähnt werden muß noch der Vilsbiburger Amts-Cammerer (Bürgermeister) und Ratsherr Wolfgang Reithmayr, der ebenfalls ein inniges Verhältnis zu den Orelli hatte. Er ist der Taufpate von Donatus Orellis Tochter Maria Katharina, welche am 7. November 1689 getauft wurde. Der Ehrengeachtete Wolfgang Reithmayr wird schon bei der Grundsteinlegung der ersten Rund-kapelle genannt. 1705 stellt er sein Grundstück für den Bau eines Kapuzinerklosters (heute Karmelitinnenkloster) zur Verfügung. Dafür tritt er sein eigenes Haus und den Garten ab „dort gelegen bei den Kapuzinerpatres, als ihre neue Behausung“. Am 23. VIII. 1706 erfolgt die Über-gabe der Urkunde von Reithmayr, zur Gründung eines Klosters. Am 2. X. 1706 legt Reithmayr den ersten Stein für das Kapuzinerkloster; Holz, Steine und 4118 Gulden werden gespendet. Nach der Sterbematrikel der Pfarrei Vilsbiburg findet das Begräbnis für Johannes Wolfgang Reithmayr am 15. Juni 1732 statt, er ist Marktskammerer und Bierbräu, 81 Jahre alt,

-  Landrichter Baron Joseph von Peyrer auf Hagenweiden, Mirskofen und Langquart (Gde. Bodenkirchen), gilt neben Donatus Barnabas Orelli und dem Pfleger Anton Maffei als weiterer Urheber der Wallfahrt. Während seiner Vilsbiburger Amtszeit wurde die Maria Hilf Kirche 1794 verschönert, die Malereien besorgte Anton Horneck, bürgerlicher Maler von Neumarkt. Benedikt Josef Edler von Peyrer war am 10. III. 1784 Pflegsverweser in Vilsbiburg geworden, 1799 Land-richter in Vilsbiburg bis zum 17. VII. 1803. [23] Am 25. VII. 1795 wurde in Maria Hilf durch päpstliche Breve und der vorherigen Genehmigung des Ordinariats Regensburg die „Gute Tod Bruderschaft“ durch Benedikt Joseph von Peyrer eingeführt. (Vilsbiburger Anzeiger 18.9.1934). Begraben wurde er und seine Gattin in der Kirche von Bonbruck, sein Grabstein ist nicht mehr vorhanden.


Unterschrift des Donatus Orelli im Jahr 1715

Romreise 1700 und 1725

Orelli pilgerte 30 Mal zu Fuß nach Regensburg und drei Mal nach Rom, wo er schon vor der Segnung der ersten Kapelle, mit Beglaubigung vom 24. Juli 1688 von Papst Innozenz XI. einen „Vollkommener Ablaß“ für die Maria Hilf Kapelle erwirkt hatte. Die Romreise von 1684 ist archivalisch nicht belegt.

Ein Zertifikat für die Romreise erhält Orelli, ausgestellt am 17. März 1700 vom Regens-burger Bischof, Joseph Clemens, auch Erzbischof von Köln und des Heiligen Römischen Reiches Kurfürst, Erzkanzler für Italien, Legat des Apostolischen Stuhles. „Donat Orelli aus Vilsbiburg in der Regensburger Diözese, von Ehrfurcht und christlicher Frömmigkeit bewegt, hat beschlossen verschiedene heilige Stätten und auch die Stätte der Hll. Apostel Petrus und Paulus in Rom aufzusuchen.“ Orelli ist von der „Heilsamkeit der Luft versehen und der Ort wo er herkommt, von jeder pestbringenden Ansteckung ganz und gar unberührt.“ Es soll ihm überall ungehindert Durchzug und Rückweg gestattet sein. Das Zertifikat zeichnet Petrus Baron von Wämpl, Generalvikar, Spiritueller Administrator. [24] Auf dem Zertifikat sind die Zollstempel von Florenz am 1. Juni 1700 und Padua am 9. Juni 1700 - dies muß aber schon auf der Rückreise von Rom geschehen sein. Ein Zertifikat vom 21. Mai 1700, ausgestellt von Leopold Joseph, Graf von Lamberg, Rat und Sprecher beim apostolischen Stuhl, bestätigt die Anwesenheit von Orelli in Rom.


Geleit-Zertifikat für Donatus Orelli, Reise nach Rom. Ausgestellt am 24. März 1700 vom Vilsbiburger Pfleger Giovanni Antonius de Maffei

Übersetzung:

Giovanni Antonius de Maffei, Ritter des Heiligen Römischen Reiches und des Erhabenen Hauses Österreich, Pfleger und Präfekt des Kurfürsten in Baiern, hier in Vilsbiburg, bestätigt, dass Donatus Orelli von diesem Ort abreisen will, durch Gottes Gnade gesund und frei von jedem ansteckenden Übel, um nach Rom zum Jubiläum zu kommen und um die heiligen Orte zu besuchen. Er hat mit dem Zertifikat freien Durchgang und ist begünstigt durch jederlei Beistand. Er hat das gewünschte amtliche Siegel erhalten, bekräftigt durch mein eigenes Siegel und von meiner eigenen Hand unterschrieben, Vilsbiburg den 24. März 1700. [25]

In einem Zertifikat, ausgestellt vom Regensburger Bischof Johann Theodor, welches sich Donatus Barnabas Orelli aus „Bavarus Vilsburgensis“ am 28. März 1725 für seine Pilgerreisen nach Rom ausstellen lässt, bekennt der Unterzeichnende: Dass Orelli mit der „einzigartigen Gottesgabe, mit der Heilsamkeit der Luft gesegnet ist, und dass er und der Ort wo er herkommt gänzlich frei ist von pestbringender Ansteckung. Dem Pilger soll nicht nur freier Durchzug und Heimkehr gewährt werden, man möge ihn auch gemäß des Gebotes der christlichen Nächstenliebe aufnehmen und behandeln.“  [26]


Geleitbrief und Empfehlungsschreiben für Donatus Barnabas Orelli anlässlich der Romreise, ausgestellt vom Bischöflichen
Ordinariat Regensburg am 28. März 1725

Bei seiner letzten Romreise im Jahr 1725 erwirkt Donatus Barnabas Orelli von Papst Benedikt XIII. am 23. Mai 1725 den Sterbeablass für sich selbst und seine nächsten Verwandten, sowie zwölf eigens benannte Personen. In dem Originaldokument steht, dass der Bayer Orelli in Rom selber anwesend ist, und er möchte in kurzer Zeit wieder abreisen. In tiefer Demut bittet er Eure Heiligkeit, Sie möge ihm und allen seinen Bluts-verwandten, und seiner Schwägerschaft ersten Grades, und dazu noch den zwölf auf-geführten Personen einen vollkommenen Ablass in der Todesstunde gewähren. Die Namen der zwölf eingetragenen Personen sind: Thaddäus Mändl (Pfleger), Theresia Mändl, Johann Georg Mayr (Oberschreiber), Maria Anna Mayr, Johann Thaller (Vizekammerer), Anna Maria Thaller, Anna Muttin, Johann Georg Zauner, Sabina Zauner, Wolfgang Peterhans, Johann Straßlehner und Rosina Straßlehner. [27]


Rom: Sterbeablass-Zertifikat für Donatus Barnabas Orelli aus Bayern, 23. Mai 1725

Im „Conservatorium der Kammer der Heiligen Stadt Rom“ selbst, lässt sich Donatus Barnabas Orelli aus Bayern, am 30. Mai 1725 ein Zertifikat für seine Heimreise aus-stellen. Es bestätigt, dass Orelli nicht durch eine Epidemie oder der Pest angesteckt ist, und dass bei ihm keinerlei Krankheitsverdacht besteht. Auf dem Zertifikat ist sein Alter mit 76 Jahren angegeben. [28]


Rom-Rückreise-Zertifikat vom 30. Mai 1725, mit den Abbildungen:
Petrus und Paulus und dem Wappen von Rom

Kurz vor seiner Rückreise, besucht Orelli noch das „Segenspendende Lauretanische Haus“ in Loretto. Dort hat er noch einmal gebeichtet. Vom Beichtvater Josephus Sötteler, von der Gesellschaft Jesu, lässt sich Orelli am 10. Juni 1725 ein Zertifikat ausstellen. [29]

Der Grabstein des Donatus Barnabas

Im Krippengang von Maria Hilf, auf der rechten Seite an der Wand, ist der Grabstein des Wallfahrtsstifters von Maria Hilf: Donatus Barnabas Orelli angebracht.

Wortgetreue Abschrift:

„Hier ligt der Edle Herr Donatus Barnabas Orelli, als Erster Urheber diesess Gnaden Ohrts, dem der grosse Eyfer gegen Gott und seiner wertisten Muetter Mariæ 3 mall nacher Rom und 30 mall nacher Regenspurg getriben, bis er Entlichen in 92 Jehrigen Alter den 5. Aprill Anno 1734 iust under der heilligen Wandlung sein leben Beschlossen, und allda bey seiner den 9. Septemb: Anno 1714 frue schon verstorbenen Ehelichen Hausfrauen Catharina Margaretha Orellin seel: 65. Jahr Jhres alter, Rhuestatt bekommen, denen Gott eine frolich Auferstehung verleichen wolle. Amen.

Wer einer Kürch Urheber ist,

der ist deß himmels schon vergewist,

darumb wird Herr Orelli auch schon

aldort geniessen seinen Lohn.“ [30]

Im oberen Bereich des in Rotmarmor gefertigten Grabmales ist die Familie des Donatus Orelli eingemeißelt: (Draufsicht) rechts seine Gattin Katharina Margaretha und eine Tochter, vermutlich die am 7. November 1689 geborene Maria Katharina. Links ganz außen Donatus Barnabas selbst im stattlichen barocken Bürgergewand, dann sein Sohn der Kapuzinerpater Donatus und der zweite Sohn Wolfgang Martin. Die männliche und weibliche Seite der Familie teilt in der Mitte das Orelli´sche Familienwappen und Maria mit dem Jesuskind.


Oberer Teil des Grabmales des Donatus Barnabas Orelli mit Familiendarstellung und Wappen

Die Inschrift des Grabmales besagt, dass Donatus Barnabas Orelli am 5. April 1734 im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Vermerkt ist auf der Grabplatte auch der Name und das Todesdatum seiner Frau: Katharina Margaretha, gestorben am 9. September 1714, also etwa 20 Jahre vor dem Tod des Donatus Barnabas. In den Begräbniseintragungen der Sterbematrikel der Pfarrei Vilsbiburg, lässt sich 1714 kein Eintrag der Katharina Margaretha Orelli finden. Dennoch dürfte das Datum stimmen, da bei der Vilsbiburger Sebastianibruderschaft 1715 vermerkt ist: „Katharina Orelli, Kaminkehrerin ist gestorben“.

In den „Kunstdenkmälern von Bayern“ steht der Eintrag: Grabstein im Krippenraum unter dem Chor: Donatus Barnabas Orelli, der erste Urheber dieses Gnadenorts, ge-storben am 5. April 1734, 92 Jahre alt, und seine Hausfrau Katharina Margaretha, ge-storben am 9. September 1714. Über der Inschrift Relief der Familie, vor der Mutter Gottes kniend, Wappen mit Helmzier, Roter Marmor, H. 1,25, Br. 0,61 m.  [31]


Grabmal des Donatus Barnabas Orelli in der Unterkirche/Krippengang von Maria Hilf

Mysteriöse Zusammenhänge?

Das Alter von Donatus Orelli ist auf dem Grabstein mit 92 Jahren angegeben. Nach der Vilsbiburger Pfarr-Sterbematrikel wurde der Kaminfeger Donatus Orelli am 6. April 1734, im Alter von 85 Jahren begraben. [32]

Spirkner merkt zur Diskrepanz des Alters von Orelli an: „Die Grabtafel auf Mariahilf, welche den Donat Orelli als ersten Erheber dieses Gnadenortes bezeichnet, enthält wahrscheinlich einen Irrtum, indem sie angibt, er sei am 5. April 1734 im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Pfarrmatrikel meldet: gestorben am 6. IV. 1734, 85 Jahre alt, Caminfeger Donatus Orelli.“

Spirkner schreibt weiter: „Seine Frau starb nach den Angaben auf dem Grabstein am 9. IX. 1714, im Alter von 65 Jahren. Doch fehlt hierüber jeglicher Eintrag in der Pfarr-matrikel. Liegt vielleicht die Schuld daran, dass die Orelli ein eigenes Begräbnis auf Mariahilf verlangten und mit der Zeit auch erhielten?“ Obwohl die Sterbeeintragungen von 1714 gut zu lesen sind und im September 1714 nur ein Eintrag steht, fehlt der Ein-trag von Katharina Margaretha Orelli vom 9. September 1714. Folgend wurde Orellis Frau auch nicht in Vilsbiburg begraben!

Bei dem Sterbeeintrag des Donatus Orelli mit dem Begräbnistag des 6. April 1734, gibt es keinen Eintrag und Hinweis, dass Donatus Barnabas in der Maria Hilf Kirche, „auf dem Monte“ begraben wurde. Der Eintrag nennt als Begräbnistag den 6. April 1734, und das Begräbnis war den weiteren Eintragungen folgend, auf dem Vilsbiburger Pfarrfriedhof.

Die Sterbeeintragungen in den Matrikeln der Pfarrei sind in der Regel verlässlich ge-führt. Hier ist genau niedergeschrieben, wann Begräbnisse im Friedhof von Oberenglberg begangen wurden, aber auch, dass die Vilsbiburger Pfarrer in der Pfarr-kirche selbst ihre Ruhestätte fanden.

Dass in der Maria Hilf Kirche ein Begräbnis war, und dies schon vierzehn Jahre vor dem Tod des Donatus Orelli, geht ebenfalls aus den Sterbeeintragungen der Pfarrei hervor. In der Maria Hilf Kirche wurde am 5. Februar 1720 der Pfarrer von Schneiding, Lizentiat beider Rechte, Anton Änzensperger, begraben: „Sepultus in monte B.V.M.“. [33] Er war Kapelleninspektor auf Maria Hilf, bevor 1705 die Kapuziner aufgezogen waren. Damit war in der Maria Hilf Kirche schon 1720 eine Genehmigung des bischöflichen Ordinariats für dieses Begräbnis vorhanden. Seine Grabplatte mit einer lateinischen Inschrift befindet sich in der kleinen Kapelle beim ersten linken Treppenaufgang.

Pfarrer Spirkner schreibt, dass es nach dem Tod des Donatus Orelli einen langen Streit wegen des Orelli-Begräbnisses auf Maria Hilf gegeben hat, der von 1734 bis 1757 dauerte.

Beim Sohn des Kirchenstifters, Wolfgang Martin Orelli († 1753) und dem Enkel Georg Joseph († 1788), ist das Begräbnis in der Maria Hilfkirche mit „sepultus in monte B.V.M.“ in den Sterbeeinträgen der Pfarrei wörtlich angegeben.

Pfarrer Spirkner schreibt über die Maria Hilf Kirchenrechnung vom Jahr 1726, welche sich im Pfarrarchiv befindet: „Das ist leider die letzte noch erhaltene Rechnung aus der Tätigkeit des Wallfahrtgründers Donatus Orelli. In der Rechnung geht es um den Ankauf einer neuen Orgel. Von 1727 bis 1807 fehlen beim Pfarramte alle Rechnungen der Wallfahrtskirche und können auch nirgends erfragt werden.“ [34] Auch in den Aufzeichnungen bei Lambert Grasmann, enden die Maria Hilf Kirchenrechnungen die sich im Pfarramt befinden im Jahr 1726 – nun ist Donatus Orelli aber erst 1734 gestorben. Nach 1734 beginnen die Rechnungs- und Quittungszettel zu Maria Hilf wieder, aber sie lagern nicht im Pfarrarchiv, sondern im Archiv auf Maria Hilf, im Kloster. [35] Wer hatte ein Interesse daran, die letzten Tage des Donatus Orelli in Frage zu stellen? Spekulativ ist, warum Donatus Orelli gleich am nächsten Tag seines Ablebens begraben wurde? Gestorben am 5. April, begraben am 6. April 1734. Normalerweise bleiben die Verstorbenen zwei bis drei Tage aufgebahrt liegen, bis sie begraben werden!

Pfarrer Spirkner merkt an: „Für die Inschrift des Grabsteines mit dem Alter von 92 Jahren für den Donatus Barnabas trage ich einige Bedenken; denn bei seiner letzten Romreise 1725 steht in dem Zertifikat: Als er die Stadt verließ war er 76 Jahre alt. Nach der Angabe am Grabstein hätte er zu dieser Zeit schon 83 Jahre alt sein müssen. Entweder ist also die Inschrift auf dem Grabstein ein Irrtum; so scheint es, dass ein 83jähriger für eine Romreise auch zu alt sein könnte.“ Nach Ansicht Spirkners liegt der Fehler darin, dass man das Geburtsdatum des Donatus Orelli damals überhaupt nicht gekannt hatte und auch heute nicht kennt.


Unterschrift des Donatus Orelli am  10. Juli 1730 – vier Jahre vor seinem Tod.
- Donat Orelli, Bürg[er] und Chamminkherer alda

Aus den Verhörsprotokollen des Marktes Vilsbiburg hat Spirkner herausgeschrieben, dass im Jahr 1724 der Vilsbiburger Mitterschreiber (Gerichtsschreiber) Johann Simon Dimpfl gegen den Kaminfeger Donat Orelli klagte, weil er ihm ein Schriftstück, be-treffend eines Grundstücksverkaufs von der Familie Zauner nicht mehr zurückgebe. Der Mitterschreiber Dimpfl stellt den Orelli als „konfusen Mann“ hin, der schon mit eineinhalb Füßen im Grabe stehe. Der Kläger wolle dreißig und noch mehr Eide able-gen, dass er Recht habe. Das Gericht legte „ewiges Stillschweigen“ auf. Zur Erinne-rung: Die Zauners haben Donatus Orelli ihr Grundstück auf dem Berg für seine Feldkapelle überlassen.

Wenn 1724 der Gerichtschreiber Simon Dimpfl, zehn Jahre vor dem Tod, Donatus Orelli als einen konfusen Mann beschreibt, welcher dem Tode schon nahe steht, so kann eigentlich nicht mehr sein, dass er dann ein Jahr später mit 83 Jahren nach Rom pilgert.

Probleme wegen der Sepultur, dem Begräbnis auf Maria Hilf für die Orelli, gab es nach dem 1734 verstorbenen Donatus Barnabas und dem Sohn Wolfgang Martin, gestor-ben 1755, und zwar von 1734 bis 1757. Wenn die Streitereien um das Begräbnis erst 1734 nach dem Tode von Barnabas Donatus begannen, muß die Frage gestellt werden, wo wurde seine 20 Jahre früher, im Jahr 1714 verstorbene Gattin begraben?

Bei der Nachprüfung des Begräbniseintrages des Donatus Orelli vom 6. April 1734, welcher sich als Mikrofich im Vilsbiburger Pfarramt befindet fällt auf, dass er mit einem weiteren, bisher völlig unbekannten Vornamen genannt wird, mit „Augustinus“ Donatus.  Im Eintrag vom 6. April 1734 stehen der Beruf des „Caminfegers alhier“ und das Alter von 85 Jahren. An der handschriftlichen Eintragung ist nichts Auffälliges. Die nächsten Sterbeeinträge sind am 7. und 9. April. Dann schreibt der damalige Vils-biburger Pfarrvikar, Pater Modestus Niedermayr (1727 bis 1756 in Vilsbiburg) zum Schluss des Eintrages, dass Orelli mit den Krankensakramenten versehen wurde. Niedermayr schreibt den Namen „Augustinus Donatus“ damit auch keine Zweifel be-stehen, welcher Orelli hier gestorben ist, denn einen weiteren Orelli mit dem Namen Donatus gab es mit seinem Sohn, dem Kapuzinerpater welcher am 17. April 1738 ver-storben ist,  und dem Bruder des „Augustinus“ Donatus in Brünn, mit dem Vornamen Barnabas.  Der Vorname Augustinus dürfte ein Vorname des Taufpaten sein, wie aus anderen Taufeintragungen zu ersehen ist. In der derzeitigen umfangreichen Familien-forschung der Orelli, taucht der Vorname „Augustinus“ nicht auf!


Sterbematrikel der Pfarrei Vilsbiburg mit dem Begräbniseintrag vom 6. April 1734, D: (= Dominus/Herr) Augustinus Donatus Orelli,
Caminfeger allhier, den Donatus Orelli, den Donatus Orelli, ætat (= Alter) 85 Jahre

Auf dem Grabstein von Donatus Orelli, steht das Sterbedatum seiner Gattin Katharina Margaretha mit dem 9. September 1714. In den Sterbeeintragungen der Pfarrei kann der Begräbniseintrag nicht gefunden werden. Die Nennung der Katharina Margaretha als Gattin des Donatus Orelli ist nach einem Taufeintrag der Pfarrkirche von 1686 be-zeugt mit: „Donat Orel et (= und) Katharina Margaretha“. Im Taufeintrag der Tochter Maria Ursula vom 10. Juli 1682 sind als Eltern angegeben: Donatus Orelli, Kaminfeger und Katharina. Die Tochter Maria Ursula ist acht Tage nach ihrer Geburt verstorben, kurz zuvor wurde sie getauft. So stimmen das Tauf- und das Sterbedatum in den Auf-schreibungen der Pfarrei Vilsbiburg mit dem 10. Juli 1682 genau überein.  Ein weiterer Taufeintrag geschieht am 7. November 1689 mit der Tochter Maria Katharina „des Donat Orelli Caminfegers und der Katharina“, Pate ist der Vilsbiburger Kammerer (Bürgermeister) Wolfgang Reithmayr. Donatus Orelli und Katharina Margaretha hatten die Söhne Wolfgang Martin und den späteren Kapuzinerpater Donatus. 1704 wurde dieser eingekleidet und feierte 1710 in Vilsbiburg seine Primiz, gestorben ist er als Missionar am 17. April 1738. 

Geschichte des Orelli-Glases

Bei der Segnung der Maria Hilf Kapelle am 3. August 1689 soll ein in die Ecke geworfenes Trinkglas die Beständigkeit der Wallfahrt auf dem Maria Hilf-Berg einlösen. Der Superior, der Kapuziner Frater Claudius hat den Vorgang am 24. April 1710 niedergeschrieben. Er merkt auf der Originalabschrift an, dass dieses [Orelli-]Glas dem Frater Claudius, vom Vilsbiburger Kammerer Wolfgang Reithmayr  auf der Primiz des Sohnes von Donatus Orelli, dem Kapuzinerpater Donatus verehrt wurde und der Kammerer Reithmayr [41] und Donatus Orelli als „oculati testes“, so zusagen als Augenzeugen unter Eid dies alles ausgesagt haben. Als Augenzeugen waren aus dem Konvent der Kapuziner ebenfalls anwesend: Pater Hugolinus Guardian zu Landshut, Pater Claudius Superior von Vilsbiburg, Pater Erhard Lectore zu Landshut, Pater Lambert der Baumeister, Pater Evaristus aus der hiesigen Kapuzinerfamilie und Pater Donatus der Primiziant, der Sohn vom Kapellenstifter Donatus Orelli.


Das Orelli-Trinkglas befindet sich in einem Schrein in einer kleinen Nische beim
Eingang zur Klosterkapelle auf Maria Hilf

Kinder der Katharina Margaretha und des Donatus Barnabas Orelli:

  1. Maria Ursula, * 10.07.1682, † 10.07.1682
  2. Maria Katharina, * 07.11.1689
  3. Wolfgang Martin, † 01.02.1753
  4. Donatus (Priester) † 17.04.1738

Vom Beruf waren die Orelli immer Kaminkehrer. Erst 1724, somit mit 75 Jahren hat Donatus Orelli sein Kaminkehrergewerbe an seinen Sohn Wolfgang Martin über-tragen. In den Matrikeleinträgen der Pfarrei lässt sich die Folge im Kaminkehrergewerbe, in etwa sechs- bis siebenmaliger Aufeinanderfolge, immer vom Vater an den Sohn, zweifellos seit 1724, also über 200 Jahre nachweisen.

Wolfgang Martin Orelli


Porträt von Wolfgang Martin Orelli
Original im Kloster Maria Hilf Vilsbiburg
Rückseite Klebezettel bezeichnet: „Johanneß Wolfganguß
Martinuß Orelli, Burger und Cäminkherer zu Vilsbiburg,
Alther 40. Jahr in 1733

Der jüngere Sohn des Donatus und der Katharina Margaretha Orelli, war Johann Wolfgang Martin. Sein aus Rotmarmor gefertigtes Grabmal (H. 1,25 m, Br. 0,61 m), mit eingemeißeltem Orelliwappen befindet sich gegenüber dem Grabstein seiner Eltern im Krippengang auf Maria Hilf. In der Sterbematrikel ist eingetragen: Herr Wolfgang Martin Orelli caminicuta hic loci“ was übersetzt wird mit: Kaminkehrer von hier. Auch er erhält die ehrende Erwähnung auf dem Grabstein: „… unermüdlicher Eiferer für die Ehre Mariens“ und wird als Kapellendiener, somit Mesner bei der Wallfahrtskirche genannt.

Inschrift des Grabsteines:

„Hier ligt in dem Herrn seel: / den 1. Febr. 1753 ætat: (= im Alter) an 66 / entschlaffen, der Edle Herr / Wolfgang Martin Orelli Capell / Diener bey disen wunderthätigen / Gotts – Haus, und unermüdter / Eiferer der Ehre Mariae; dessentwe / gen, gleichwie dem Abraam wegen Sarai wohl ergangen, hoffen, / und wünschen wür ihme ein / ewiges Leben, und glick- / seelige Auferstehung. Amen“


Marmor-Grabmal des Wolfgang Martin Orelli auf Maria Hilf. † 1. Februar 1753

In den Sterbeeintragungen der Pfarrei steht als Begräbnisdatum (sepultus) für den Wolfgangus Martinus Orelli der 3. Februar 1753, im Alter von 67 Jahren. „Sepultus in Ecclesiæ B.V.M. in Monte“ - begraben in der Kirche zur heiligen Maria auf dem Berg. [42]


Sterbematrikel der Pfarrei Vilsbiburg mit dem Begräbniseintrag für Wolfgang Martin Orelli am 3. Februar 1753. Zweite Zeile rechts: „Sepulty in Ecclesiæ B.V.M. in Monte“ = Begraben in Maria Hilf auf dem Berg

Wenn nun Wolfgang Orelli im Jahr 1686/87 geboren wurde, so ist es verständlich, dass Bartholomäus Spirkner keinen Eintrag über seine Geburt gefunden hat, da die Taufeinträge der Jahre 1683 bis 1686 fehlen. Wolfgang Martin, legitimer Sohn des Bürgers und Kaminkehrers „Barnaba Donati Orelli und seiner Frau Margaretha Catharina“, Kapellendiener und Kaminkehrer, heiratet am 28. August 1724 die Jungfrau Maria Viktoria Mutteus. Sie ist die legitime Tochter des Remigius Mutteus „civis et Senatoris“, was mit Bürger und Rat zu übersetzen wäre und seiner Ehefrau Anna. [43] Die Trauzeugen sind Johannes Franziskus Thaller, Wachszieher und Vizekammerer und Johann Michael Friderich, Bevollmächtigter am Kurfürstlichen Hof, in Neumarkt. Für den oben genannten Johann Thaller und seine Gattin Anna Maria, hat Donatus Orelli bei seiner Romreise am 23. Mai 1725 einen Sterbeablass erwirkt, wie auch für insgesamt zwölf eigens benannte Personen. Gestorben ist Maria Viktoria in Vilsbiburg im Alter von 78 Jahren; sie wurde am 4. April 1774 im Pfarrfriedhof begraben. [44] Am 12. August 1738 ist Wolfgang Martin Orelli Taufpate von Johann Nepomuk, dem Sohn des Johann Christoph Hueber, Vilsbiburger Pflegs-Zeugmacher. Maria Viktoria fungiert als Taufpatin bei der am 28. Mai 1730 geborenen Maria Viktoria, des Jakob Wagenpauers Tochter.

1724 hat der Vater Donatus Barnabas sein Kaminfegergewerbe an den Sohn Wolfgang Martin übertragen. 1725 erhält Wolfgang das Vilsbiburger Bürgerrecht und steht nicht nur als civis (Bürger) in den Archivalien, sondern abgekürzt als D: oder Dns: als Dominus oder Herr.

In der Sterbematrikel der Pfarrei befindet sich der Begräbniseintrag für einen Sohn von Wolfgang Martin: „Am 26. Juni 1726 wurde im Alter von 14 Tagen begraben, Johannes Georg Antonius, legitimer Sohn des Martin Wolfgang Orelli, Bürger und Kaminkehrer, bestattet auf dem Pfarrfriedhof.“ Der dritte Sohn Franz Anton, wird Priester. Er tauft am 15. Juli 1755 den Sohn seines Bruders Georg Joseph, namens Heinrich, Georg, Joseph, Anton. 1769 stirbt Franz Anton Orelli, 39 Jahre alt, seit 13 Jahren Priester, wovon er ein halbes Jahr in Seyboldsdorf praktizierte, dann Supernumerar (= Über-zähliger wegen Priesterüberschuss, ohne Anstellung), war in Herrnwahl ein Jahr, in Pilsting ein dreiviertel Jahr, Benefiziat in Haarbach zwei Jahre. Acht Jahre lang war er erster Benefiziat auf dem zusammengelegten Katharinen-, Leonhard- und Heilig Kreuz-Benefizium in Vilsbiburg. [45]

Die Kinder des Wolfgang Martin und der Maria Viktoria Orelli nach der Taufmatrikel der Pfarrei Vilsbiburg:

  1. Johann Georg Anton, getauft am 12. Juni 1726. † 26. Juni 1726.
  2. Johann Georg Joseph, getauft am 13. März 1728. † 20. Dezember 1788.
  3. Franz Anton, getauft am 3. Juli 1730. † 1769.
  4. Maria Anna Franziska, getauft am 4. Oktober 1732.
  5. Franziskus de Paula, getauft am 26. Januar 1736.

Der nachfolgend beschriebene Sohn Johann Georg Joseph, ist im Vilsbiburger Tauf-register am 13. März 1728 eingetragen. Er übernimmt das „Erbe“ auf Maria Hilf.

Johann Georg Joseph Orelli


Porträt von Georg Joseph Orelli
Original im Kloster Maria Hilf Vilsbiburg
Rückseite Zettel: Dieses Bild stellt wahrscheinlich den
Enkel des ersten Orelli dar, während die auf dem anderen Bilde
dargestellte Frau die Gemahlin dieses Enkels sein wird

In der kleinen Seitenkapelle, oberhalb des ersten linken Treppenaufganges zur Maria Hilf Kirche, ist in die Wand die ca. H. 50 x Br. 35 cm große Grabplatte des Sohnes von Wolfgang Martin Orelli und Enkel des Kirchenstifters eingelassen. Die Inschrift auf der Steinplatte lautet:

„Hier ruht der Edle Herr Georg Joseph Orelli / gegenwärtigen Gotteshauses / Küster und bürgerl: Kaminfeger / der den 20ten Dez. 1788 / von dieser zeitlichen zur seligen / Ewigkeit hinüber gegangen.“


Grabmal des Georg Joseph Orelli auf Maria Hilf. † 20. Dezember 1788

In der Taufmatrikel der Pfarrei Vilsbiburg ist die Taufe des Johann Georg Joseph am 13. März 1728 eingetragen. Er ist der legitime Sohn des Wolfgang Martin Orelli, Kamin-kehrer, und der Maria Viktoria. Taufpate ist Herr Johann Georg Mayr, archigramatäus (Meister des Schreibens, Oberschreiber). Die Taufe hat Pater Marian vollzogen. [46] Aus der Namensgebung kann gefolgert werden, dass der Täufling vom Paten die Vornamen Johann Georg erhalten hat. Der Taufpate Johann Georg Mayr und seine Gattin Maria Anna Mayr werden auf dem Sterbeablass-Zertifikat, ausgestellt in Rom am 23. Mai 1725, genannt. [47]


Siegel und Unterschrift des Georg Joseph Orelli, Bürgerl: Camminkhörer alda. Siegel mit Familienwappen der Orelli

Als „caminicutæ et æditui in monte B.M.V.“, was mit Kaminkehrer und Kapellenmesner auf dem Berg bei Maria Hilf zu übersetzen ist, steht 1754 Georg Joseph in den Heiratsmatrikeln der Pfarrkirche. Er ist der eheliche Sohn der Maria Viktoria und des Wolfgang Martin Orelli, welcher Kaminkehrer und Mesner auf dem Mariahilfberg ist.

Georg Joseph heiratet etwa ein Jahr nach dem Tode seines Vaters, 27jährig, am 28. Mai 1754 Maria Theresia Wäldl (auch Wältl) aus der Pfarrei Sankt Martin und Kastulus von Landshut. Sie ist die Tochter des Landshuter Bürgers und Kaufmannes (civis et mercatori) Franz Wäldl und seiner Gattin Anna Maria. Die Trauzeugen sind die Vilsbiburger Jakob Rieder, Bürger und Wirt einer Trinkstube und der Bürger und Gerber Mathias Pergschuster. [48] 1756 erhält Georg Joseph das Vilsbiburger Bürgerrecht und wird dann in den Taufeintragungen seiner Kinder als civis, Bürger und dominus, (D:, oder Dns:), als „Herr“ bezeichnet.


Porträt von Maria Theresia Orelli, geborene Wäldlin
Original im Kloster Maria Hilf Vilsbiburg

Als Taufpatin ist Georg Josephs Gattin Maria Therese, bei den Kindern des Latein-lehrers und Organisten des Marktes Vilsbiburg Nikolaus Textor eingetragen. Georg Joseph ist Pate bei den Kindern des Edlen Herrn (Dns: = Dominus) Grosskopf, Lateiner des Marktes.

Nach dem Begräbniseintrag in der Pfarrkirche, stirbt Georg Joseph mit 61 Jahren, und wie auf dem Grabstein zu lesen ist, am 20. Dezember 1788. Nach dem Sterbebuchein-trag in der Pfarrei wurde er am 22. Dezember 1788, also zwei Tage nach seinem Tod begraben. Genannt ist hier als Krankheitsbild Podagra, [Gicht], und wiederholte Schlaganfälle. Er wird als Kaminkehrer, Bürger des Marktes Vilsbiburg und Küster, also Mesner auf Maria Hilf bezeichnet. Über seinen Begräbnisort gibt der Eintrag im Pfarrarchiv Auskunft: „…in Capella Mariana ad Alt. S. Josephi Sepultus“. Georg Joseph wurde am 22. Dezember 1788 in der Maria Hilf Kirche beim Altar des heiligen Josef begraben. [49]


Sterbematrikel der Pfarrei Vilsbiburg: Joseph Georg Orelli, Bürger und Kaminkehrer, mit dem Begräbniseintrag 22. Dezember 1788. Rechts: in Capella Mariana ad Alt. S. Josephi Sepultus = begraben in der Marienkapelle vor dem Altar des Sankt Joseph

Spirkner nennt in der Beschreibung der Orelli als Todesmonat für Georg Joseph ein-mal den 20. Dezember, dann übersetzt er die Abkürzung aus der Sterbematrikel, den Monat „Xber“ falsch mit dem Monat Oktober; richtig ist der Monat Dezember.

Der Nachwuchs

Nach der Heirat des Georg Joseph am 28. Mai 1754, ist in der Taufmatrikel am 15. Juli 1755 der Eintrag seines ersten Kindes und Sohnes: Heinrich Georg Joseph Antonius. Taufpate ist der Edle Herr Georg Mayr, Vilsbiburger Pflegsverwalter. Er lebte nur acht Monate. Der Begräbniseintrag für ihn ist am 13. März 1756. [50] Des Weiteren findet sich der Begräbniseintrag einer Tochter: „Am 9. Mai 1759 ist verstorben, im Alter von 21 Tagen, Maria Anna Viktoria, legitime Tochter des Georg Joseph Orelli, Kaminkehrer, und seiner Frau Maria Theresa, begraben im Pfarrfriedhof.“ [51] Im Taufeintrag der Viktoria vom 18. April 1759, tritt als Taufpatin die nobilis Domina, die Edle Dame Maria Anna Mayr auf. Nachdem Maria Anna Viktoria am 9. Mai 1759 gestorben war, kommt genau ein Jahr später wiederum eine Tochter zur Welt. Sie wird am 9. Mai 1760 eben-falls auf den Namen Maria Anna Viktoria getauft. Ein Begräbniseintrag vom 28. Mai 1769 nennt den Sohn Franziskus de Paula, des Kaminkehrers Herrn Georg Joseph Orelli und der Maria Theresia, welcher im Alter von acht Tagen gestorben war. [52] Ein weiterer Sohn, Georg Joseph Bernhard wird getauft am 20. August 1761. Pate ist kein anderer als der Edle Herr, der Vilsbiburger Oberschreiber und Pflegamtsverweser Johann Georg Mayr.

Der Sohn Georg Joseph Bernhard heiratet am 11. September 1787 die Vilsbiburger Bierbräuerstochter Anna Margaretha Rabenbrunner. Er setzt die Orelli-Erbfolge auf Maria Hilf fort. Der Sohn Franz Anton wird am 14. November 1762 getauft. Der ge-nannte Anton lebte als Pfarrer, Geistlicher Rat und fürstlicher Hofkaplan lieber in München als in Vilsbiburg. Er wollte schon Ende des 18. Jahrhunderts zwei Benefiziatenhäuser verkaufen und hielt sich in Vilsbiburg einen so genannten Commendisten. Gestorben ist er am 13. Januar 1816 an „Schlagfluß“ (= Gehirnschlag), 53 Jahre alt. Am 8. Juli 1770 wird der Sohn Johann Nepomuk getauft. Er nimmt, wie fast alle Orellikinder, den Vornamen des Taufpaten an. Es ist der Edle Herr Johannes Nepomuk Bezold, Regierungsrat in Landshut. Sohn Ferdinand wird am 15. Dezember 1771 getauft. Pate ist Franz Ferdinand Eisenhut, Regierungs-Konsulator in Landshut, Pflegskommissär in Vilsbiburg und Geisenhausen, welcher die Witwe des Nepomuk Bezold geheiratet hatte. 1780 ist er Wirklicher Regierungsrat in Burghausen, Pfleggerichtskommissar in Vilsbiburg und Geisenhausen. Seine Frau die Pflegskommissarin Maria Theresa Eisenhut (geborene Maria Theresia von Gmainer, Witwe des Johann Nepomuk Bezold) ist 1773 Taufpatin von Maria Theresia Ottilie Orelli. Die Tochter Maria Franziska wird am 28. Oktober 1776 sofort nach der Geburt durch Pater Maurus Zauner getauft. Taufpatin ist die Verwalterin in Vilsbiburg Maria Franziska Grosskopf.

Zusammenfassung:

Die Kinder des Georg Joseph und der Maria Theresia Orelli nach der Taufmatrikel der Pfarrei Vilsbiburg:

  1. Heinrich Georg Joseph Anton, getauft am 15.07.1755, † 13.03.1756.
  2. Maria Anna Theresa, getauft am 10.10.1757.
  3. Maria Anna Viktoria, getauft am 18.04.1759, † 9.05.1759.
  4. Maria Anna Viktoria, getauft am 9.05.1760.
  5. Georg Joseph Bernhard, getauft am 20.08.1761.
  6. Franz Anton, getauft am 14.11.1762, † 13. 01. 1816
  7. Georg Alois, getauft am 13.12.1763.
  8. Maria Anna, getauft am 12.0I.1765.
  9. Josepha Ernesta Theresa, getauft am 10.0I.1766.
  10. Anna Maria Kreszentia, getauft am 30.06.1767.
  11. Franziskus de Paula, getauft 20.05.1769, † 28.05.1769.
  12. Johann Nepomuk, getauft am 8.07.1770.
  13. Ferdinand, getauft am 15.12.1771.
  14. Maria Theresia Ottilie, getauft Februar 1773.
  15. Maria Franziska, getauft am 28.10.1776.

Georg Joseph und Maria Theresa Orelli hatten ein volles Haus mit ihren vielen Kindern. Freilich sind im Kindesalter schon einige verstorben. Letztendlich hatten sie 15 Kinder, davon acht Töchter und sieben Söhne. Beachtenswert sind die Taufpaten, welche in der Regel alle eine hohe Stellung hatten. Die Kinder haben von den Paten die Vornamen, oft auch nur Teile davon übernommen.

Mit dem am 20. August 1761 getauften Georg Joseph Bernhard geht der Vilsbiburger Orelli-Stammbaum weiter. Er heiratet am 11. September 1787 die Vilsbiburgerin Anna Margaretha, Tochter des Bierbrauers Georg Rabenbrunner und der Maria Barbara, Tochter des Gastwirts Simon Steer. Trauzeugen sind der Vilsbiburger Amtmann Franziskus Textor und Johann Georg Nebner.

Wo ist der Kirchenstifter Donatus Orelli und seine Frau begraben?

Pfarrer Spirkner schreibt: „Die Streitigkeiten wegen dem Begräbnisplatz nach dem Tod des Donatus Orelli mit dem Pfarramte dauerten von 1734 bis 1757. Schon früher gab es Probleme mit dem Pfarramt, da Maria Hilf als Konkurrenz angesehen wurde. Eine Beiziehung des Pfarrers bei den Genehmigungen zur Kirche Maria Hilf ist zum letzen Mal aus den Rechungen von 1699/1700 ersichtlich. Mysteriös ist, dass die Kirchen-rechnungen von Maria Hilf der Jahrgänge 1727 bis 1807 gänzlich fehlen.“

Der Wallfahrtsstifter Donatus Orelli ist am 5. April 1734 verstorben. Ein Schriftstück vom 23. August 1734, vom Regensburger Konsistorium, „wegen Begräbnis in der Maria Hilf Kirche“, nennt den Anspruch des Wolfgang Martin Orelli, auf ein Begräbnis in der Wallfahrtskirche für ihn, seine Frau und die ehelichen Kinder.

Nach der Inschrift auf dem Grabstein ist der Kirchenstifter und Kaminkehrer Donatus Orelli am 5. April 1734 gestorben und in der Maria Hilf Kirche begraben. Nach der Pfarr-Sterbematrikel wurde er schon einen Tag später, am 6. April 1734 im Alter von 85 Jahren auf dem Pfarrfriedhof begraben. [53]

Wäre Donatus Orelli nach seinem Tode 1734 in der Maria Hilf Kirche „auf dem Monte“ begraben worden, gäbe es im Eintrag der Pfarrei diesen Hinweis. So wie dies bei seinem 1753 verstorbenen Sohn Wolfgang Martin und 1788 verstorbenen Enkel Georg Joseph geschehen ist. Denn auch beim Geistlichen, Pfarrer Anton Änzensperger, welcher schon vierzehn Jahre vor Donatus Orelli verstorben war, gibt es den Eintrag in der Pfarrei, dass dieser am 5. Februar 1720 in der Maria Hilf Kirche „Sepultus in monte B.V.M.“ begraben wurde. Auch der Pfarrer Peter Sedlmair, dessen Grabplatte in der kleinen Kapelle nach dem ersten linken Treppenaufgang zur Kirche ist, ist mit 82 Jahren am 30. März 1740 gestorben, und auf Maria Hilf begraben.

Das auf dem Grabstein genannte Begräbnis in der Maria Hilf Kirche, des 1734 ver-storbenen „ersten Urheber des Gnaden Ortes“ Donatus Barnabas Orelli und seiner 1714 verstorbenen Gattin Katharina Margaretha, musste erst später erfolgt sein.

Der letzte männliche Nachkomme der Orelli war der 1939 in Vilsbiburg verstorbene Kaminkehrermeister Franz Orelli (1872-1939).


Alle drei in dieser Untersuchung behandelten Orelli: Donatus Barnabas, sein Sohn Wolfgang Martin und wiederum dessen Sohn Georg Joseph, haben die Maria Hilf Kirche als diesen hochbarocken Bau gesehen und erlebt, welcher von 1701 bis 1704 entstanden ist. Gemälde im Fenster des Krippenganges

200. Todestag von Donatus Orelli 1934

Mariä Namen und Orelli Feier

Die Festlichkeiten fanden am Samstag den 1. und Sonntag den 2. September 1934 statt. Es war die Feier zum 200. Todestag des Gründers der Wallfahrt, Donatus Barnabas Orelli. Zur Erinnerung wurde vor dem linken Aufgang zur Maria Hilf-Kirche, ein Marienbrunnen mit dem Gnadenbild der Wallfahrt aus Bronze errichtet. Das Ehrenmal für Donatus Orelli bestand aus einem Gedenkstein mit dem Bronzerelief-Porträt des Wallfahrtsstifters. Darauf ist das Orelli´sche Familienwappen und das Wappen der Stadt Vilsbiburg nebst Widmung. Der Entwurf des Gedenksteins und des Marienbrunnens stammte vom Münchner Architekten Michael Steinbrecher, [54] die Zeichnung für das Relief von Orelli lieferte Stadtkurat a. D. Schmidt-München. Die Modelle für beide Reliefs fertigte der junge Heimatkünstler und akademische Bildhauer Georg Brenninger aus Velden. Die Bauarbeiten wurden unter der Leitung des Baumeisters Georg Breiteneicher-Vilsbiburg, von Steinmetz Peter Klopfer und dem städtischen Wasserwart Hans Wurm ausgeführt. Zur Enthüllung kam der Diözesanbischof von Regensburg Se. Exzellenz Dr. Michael Buchberger. Mit der Durchführung der weltlichen Feier wurde vom Stadtrat der Heimatverein für den Bezirk Vilsbiburg und der Verkehrs- und Verschönerungsverein betraut. Am Vorabend fand eine große Lichterprozession von der Stadtpfarrkirche nach Maria Hilf statt. Nach Ansprachen, Gedenken der gefallenen Krieger, Liedervortrag, Choralmusik und Beleuchtung der Wallfahrtskirche, beendete ein großes Brillant-Feuerwerk auf der Balkwiese, Uferbeleuchtung, Fontaine in der Vils und Beleuchtung der Marienstatue, den ereignisreichen Tag.

Am Sonntag den 2. September um 8 Uhr früh war die feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten von der Pfarrkirche nach Maria Hilf. Dort war ein Pontifikalamt mit Fest-predigt. Nach dem Gottesdienst war die feierliche Enthüllung des Orelli-Gedenksteins und des Marienbrunnens. Es folgte die Übergabe an die Stadt und die feierliche Weihe des Marienbrunnens durch Bischof Buchberger. Über die Erbauung der Wallfahrtskirche und die Geschichte der Wallfahrt hatte der Heimathistoriker Pfarrer Spirkner eine Schrift verfasst. „So rüstet die alte Marienstadt Vilsbiburg mit vollem Eifer zu einer würdigen Durchführung des Maria-Namenfestes, wie auch zur feierlichen Ehrung ihres großen Sohnes Donatus Barnabas Orelli, dem Vilsbiburg die Gründung der gnadenreichen Wallfahrt Mariahilf verdankt.“ [55]


1934: Marien-Orelli-Brunnen, zum 200jährigen Todestag von Donatus Orelli erstellt
Bronzerelief mit Donatus Orelli. Anlagen-Entwurf von Architekt Michael Steinbrecher, München, gefertigt von Bildhauer
Georg Brenninger aus Velden. Das Relief ist heute vor der Klosteranlage, beim Tor links, in der Mauer eingelassen.
AHV, F020211, Foto Bergmann, Inh. Grünberger, Vilsbiburg


Relief in Bronze von Donatus Orelli, gefertigt vom Bildhauer Georg Brenninger aus Velden
In der Mauer beim Toreingang zum Garten des Kloster auf Maria Hilf

Nachforschungen in Locarno zum Taufeintrag des Donatus Orelli

Im Februar 2009 wurde versucht im Pfarrarchiv von Locarno/Schweiz die Geburtsdaten des (Augustinus) Donatas Barnabas Orelli zu finden, um sein genaues Alter zu bestimmen. Nach dem Eintrag auf dem Grabstein wäre dieser 1734 im Alter von 92 Jahren verstorben; nach dem Sterbebuch der Pfarrei Vilsbiburg ebenfalls 1734 aber mit 85 Jahren. Somit kämen für die Nachforschung zum Taufeintrag die Jahre 1642 und 1649 in Frage. Mitgeteilt wurden dem Locarner Archivar auch die Namen der Eltern: Alois Barnabas und Lucia Francone Orelli.

Beim Dekan von Locarno, Don Carmelo Andretta, Pfarrer von Sant Antonio, konnte die Einwilligung eingeholt werden, im Locarner Pfarrarchiv die Sterbematrikel durch den ortsansässigen Archivar einzusehen. Dr. Rodolfo Huber vom Archivio della Città di Locarno nimmt Einsicht und teilt am 17. März 2009 dem Heimatverein Vilsbiburg mit: „Ich habe den Libro die battesi von 1627 bis 1679 der Collegiata von Locarno (Jahre 1635 bis 1655) durchgesucht, aber keine Angaben zum gesuchten Donatus Barnabas Orelli gefunden. Ein Alois Orelli ist als Stammvater der Orelli in Zürich bekannt, aber er scheint keinen Sohn Donatus gehabt zu haben“. [56]

So ist die Frage weiter offen, wie alt ist Orelli bei seinem Tode gewesen, wo und wann wurde er geboren? Donatus Orelli wurde diesen Nachforschungen nach, nicht in der Pfarrei Locarno selbst geboren. Doch könnte er auch in einer der umliegenden Pfarr-gemeinden das Licht der Welt erblickt haben. Aus seinen mitgebrachten Papieren geht einwandfrei hervor, bevor er ausgewandert ist, wohnte er in Locarno am Lago Maggiore.

- Im Internet werden bei Eingabe des Namens Orelli 278.000 Ergebnisse angezeigt. In der Schweiz gibt es zurzeit ca. 98 Personen mit dem Namen Orelli. Inmitten von Locarno trägt die wichtigste Verkehrsader den Namen Via Giovanni Antonio Orelli. Hier wird dem 1928 in Bedretto geborenen Lyriker Giovanni Orelli gedacht, welcher heute in Lugano lebt.

- Der Artikel wurde anlässlich der Ausstellung im Museum des Heimatverein Vilsbiburg „Vilsbiburger im Porträt“ im Jahr 2009, in die Vilsbiburger Museumsschrift Nr. 11 aufgenommen, Seite 25 bis 53. [57]


[1]  Spirkner, Bartholomäus: Die Kaminkehrerfamilie Orelli in Vilsbiburg in zwei Jahrhunderten, in: NHB, Nr. 16/4. Jg. September 1932, S. 426f.

[2]  Grasmann, Lambert: Zur Bau und Kunstgeschichte der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg, 1686-1986, in: Sonderdruck aus: Der Storchenturm, Heft 40, S. 96ff, Dingolfing 1985, Seite 96 bis 136. Siehe dort unter »Quellen«.

[3] WEB-Seite, Wikipedia, Suchbegriff, Locarno: Das Castello Visconteo am Rande der Altstadt entstand im 12. Jahrhundert, vermutlich als Wohnsitz der kaisertreuen Capitanei Orelli. 1260 fiel es in die Hände der Ghibellinen, den Parteigängern des Kaisers. 1342 besitzen es die Visconti von Mailand, denen das Bau-werk seinen heutigen Namen verdankt.

[4]  Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte, Bd. 2, in: www.dickemauern.de/orelli/ge.htm

[5]  Grötzinger, Franz: Im Gedächtnis an den Wallfahrtsgründer. 360. Geburtstag von Donatus Orelli, dem Gründer der Wallfahrtskirche Maria Hilf, in: Vilsbiburger Zeitung vom 16. Mai 2002.

[6]  Wikipedia, freie Enzyklopädie im Internet. Für Orelli stehen hier ca. 270 000 Einträge.

[7]  Ein Geburtseintrag für die angenommenen Jahre 1642 und 1649 für Donatus Barnabas Orelli ließ sich im Pfarrarchiv von Locarno nicht finden. Von Archivar Dr. Rodolfo Huber, Archivio della Citta di Locarno  wurden die Geburtsjahre 1635 bis 1655 untersucht.

- Goetz, Anton, Dr., Vilsbiburger Stadtpfarrer: Die Wallfahrt Maria Hilf in Vilsbiburg. Zur Erinnerung an die Stadterhebung Vilsbiburgs am 22. und 23. September 1929.

[8]  Aus dem lateinischen Übersetzt durch Dr. Albert Stieß, Vilsbiburg.

[9]  Wie Anm. 1: Barnabas Orelli, (civis et camerarius – burger und Kammerer), 30. März 1684.

[10]  Wie Anm. 5: Grötzinger, Franz: 360. Geburtstag von Donatus Orelli,

[11]  Müller, Herbert, Pater, Salesianer Don Bosco: Kirchenführer der Wallfahrtskirche Maria Hilf Vilsbiburg.

[12]  Locarno gehörte zu Italien; seit 1512 zur Schweiz.

[13]  Brünn, tschechisch Brno, zweitgrößte Stadt Tschechiens, Bezirkshauptstadt.

[14]  Wie Anm. 2, Grasmann: Stadtarchiv Vilsbiburg, Ratsprotokoll I 8, fol. 39.

[15]  Grasmann, Lambert: Bildquellen zur Baugeschichte der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg, in: Der Storchenturm, 1977, 12. Jgg., Heft 24, S. 60 bis 72.

[16]  Käser, Peter: Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Vilsbiburg, Verlag Attenkofer, 2006, S. 163, auch S. 115 und 310. Kirchenrechnungen der Pfarrkirche 1682, im Pfarrarchiv Vilsbiburg (PfAV).

[17] PfAV, Friedhofunterlagen Nr. 130: Elise Orelli, Kaminkehrersgattin, kauft die Grabstätte im Friedhof Vilsbiburg am 12. April 1894. PfAV.

- Im Kapuzinerfriedhof auf Maria Hilf befinden sich beim Eingang rechts drei Orelli-Grabtafeln mit In-schriften: Es ist anzunehmen, dass die drei Tafeln nach Auflösung der Gräber im Pfarrfriedhof, hierher gekommen sind: Inschriften: Tafel in der Mitte: Im Frieden Christi, erwarten hier eine glorreiche Auf-erstehung. Linke Tafel: Anton Orelli 1874-1896. Simon Orelli, Kaminkehrermeister 1833-1899. Elise Orelli 1841-1918. Therese Orelli 1879-1923. Rechte Tafel: Franz Orelli Kaminkehrermeister 1872-1939. - Der letzte im Mannesstamme Orelli. Sein großer Ahnherr Donatus, der Stifter unserer Wallfahrt ruht droben in Maria Hilf -. Josefa Orelli geb. Neuhofer 1885-1963.

[18]  Archiv Maria Hilf: Archivium Vilsbiburgense in quo. Tam Origo Ecclesiæ Montanæ B.M.V. Jahr 1751. Aus dem Lateinischen übersetzt durch Dr. Albert Stieß, Vilsbiburg.

[19]  O, Maria hilf. Die Geschichte eines Marienbildes. CD und Video über Maria Hilf. Laufzeit 45 Minuten, Videorechte: Provinzialat der Bayerischen Kapuziner, München. Produktion: Bayerischer Rundfunk.

[20]  Wie Anm. 18: Zusammenfassung über den Ursprung dieser Kapelle.

[21]  Spirkner, Bartholomäus: Die Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Vilsbiburg, in: Niederbayerische Heimat-blätter, Mai 1930, Nr. 14, 2. Jgg.

[22]  Ferchl, Georg: Bayerische Behörden und Beamte, 1550-1804, in: Oberbayerisches Archiv für vater-ländische Geschichte, herausgegeben vom Vereine von Oberbayern, München 1911, 53. Band, 3. Heft, Gericht Vilsbiburg, S. 1185ff.

[23]  Wie Anm. 22.

[24]  Archiv Maria Hilf: Den lateinischen Text hat übersetzt Dr. Albert Stieß.

[25]  Wie Anm. 24.

[26]  Wie Anm. 24.

[27]  Wie Anm. 24: Rom, mit den Lettern der Ehrwürdigen Apostolischen Kammer, 23. Mai 1725.

[28]  Wie Anm. 24.

[29]  Wie Anm. 24.

[30]  Spirkner, B.: Wohltäter von Maria Hilf bei Vilsbiburg, in: NHB, Nr. 8, 1. Jg., April 1929, S. 32.

[31]  Eckardt, Anton, Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, Band V, Bezirksamt Vilsbiburg, S. 280.

[32]  Wie Anm. 1, Spirkner, S. 11, 12.

- Im Bericht gibt es abweichende Angaben zum Tod von Orelli. Auf dem Grabstein steht: gestorben 92-jährig, am 5. 4. 1734.

- Als Orelli 1725 Rom verließ, war er 76 Jahre alt. In der Sterbematrikel (PfAV) dürfte das richtige Alter mit 85 Jahren stehen.

[33]  PfAV, Sterbematrikel (Mikrofich, Nr. 325): Begräbnis (sepultus) 5. Februar 1720, A. R. D. Anton Aenzenperger Parochus in Schneiding, Sepultus in monte B.V.M. ætat (Alter) 46 anno (Jahre).

[34]  Wie Anm. 1: Spirkner, S. 11.

[35]  Wie Anm. 2: Grasmann, S. 117.

[36]  PfAV, Mikrofiche, Sterbematrikel: Nr. 337, Bd. 20/21, Begräbniseintrag im Friedhof von Vilsbiburg für Augustinus Donatus Orelli vom 6. April 1734.

[37]  AHV-Maria Hilf: Söll, Joseph, Pfarrer, in: Vilsbiburger Priester, anlässlich der Primizfeier des hoch-würdigen Herrn Pater Johannes Berchmans Krieger, O.F.M.C. auf dem Maria-Hilf-Berge bei Vilsbiburg, am 7. Juli 1906. Eintrag Nummer 8, aus dem Nekrolog der Kapuziner: Pater Donatus Orelli.

[38]  Am 30. März 1684 wird für „Donat de Orel“, dem deutschen Bruder, durch den unterzeichnenden Barnabas Orelli, Bürger und Kaminfeger von Brünn, die Vollmacht erteilt, dass er in Brünn walten dürfe, als wäre er, der Unterzeichnende selbst anwesend.

[39]  PfAV, Taufbuch auf Mikrofiche: III. 1628 bis 1686 und IV. 1687 bis 1745. Taufeintrag: Maria Ursula Orel, 10. Juli 1682, Sterbeintrag 10. Juli 1682. Bei der Taufmatrikel sind die Jahre sehr schwer zu lesen, hier wird bei Spirkner das Jahr 1686 angegeben. Der Reihenfolge der Monate nach, ist es aber das Jahr 1682, was auch mit der Sterbematrikel zusammenstimmt. Die Taufeinträge von 1683 bis 1686 fehlen.

[40]  Wie Anm. 37: Pfarrer Joseph Söll: Vilsbiburger Priester, Nummer 8, Kapuziner: Pater Donatus Orelli.

[41]  PfAV, Sterbematrikel, Begräbnis: 15. Juni 1732, Johannes Wolfgang Reithmayr, Markts Cammerer (Bürgermeister) und Bierbräu, 81 Jahre alt.

[42]  PfAV, Sterbematrikel: MF. Nr. 348, Bd. 21/4, „…Sepultus in Ecclesiæ B. V. M.“.

[43]  PfAV, Heiratsmatrikel vom 28. August 1724.

[44]  Wie Anm. 1: Spirkner schreibt: Todesdatum der Maria Viktoria ist der 14.IV.1774. Nach der Sterbe-matrikel Bd. 21/9, Jahr 1774, ist richtig: 4. April 1774.

[45]  Spirkner, Bartholomäus: Das Benefizium Corpus Christi, Allerseelen und St. Jakob in Vilsbiburg, in: NHB, August 1932, Nr. 15, 4. Jgg, S. 428.

[46]  PfAV, Taufmatrikel 1728, im März, Nr. 10. Der Pate Johann Georg Mayr wird 1770 als nobilis be-zeichnet, was als Edel zu gelten hat. 1783 ist er dicographus electorulis, er ist Churfürstlicher Ober-schreiber in Vilsbiburg.

[47]  Originaldokument im Archiv Maria Hilf.

[48]  PfAV, Heiratsmatrikel, Eintrag vom 28. Mai 1754.

[49]  PfAV, Sterbematrikel, Nr. 348, Bd. 21/4, 22. Dezember 1788.

[50]  PfAV, Sterbematrikel, Nr. 8 vom 13. März 1756.

[51]  PfAV, Sterbematrikel, Nr. 25 vom 9. Mai 1759.

[52]  PfAV, Sterbematrikel, Nr. 26 vom 28. Mai 1769. Taufeintrag vom 20. Mai 1769. Taufpate ist der Edle Herr Johann Georg Mayr, resignierter Pflegsverweser von Vilsbiburg.

[53]  Wie Anm. 1, Spirkner, B.: Zur Feier des 200. Todestages des Wallfahrtsgründers Donatus Orelli, 1934. Hier gibt es abweichende Angaben zum Tod von Orelli. Auf dem Grabstein steht: gestorben 92-jährig, am 5. 4. 1734.

- Als Donatus Orelli 1725 Rom verließ, war er 76 Jahre alt. Zertifikat vom 30. Mai 1725, im Archiv von Maria Hilf. In der Sterbematrikel (PfAV) dürfte die richtige Altersangabe stehen: gestorben mit 85 Jahren.

[54]  Der Münchner Architekt Michael Steinbrecher hat 1934 auch die Pläne zum neuen Leichenhaus von Vilsbiburg geliefert, und hatte die Bauaufsicht.

[55]  Vilsbiburger Anzeiger vom 22. August 1934.

[56]  Anfragen an den Dekan und das Archiv von Locarno vom 10. Februar bis 17. März 2009. Antwort von Archivar Dr. Rodolfo Huber am 17. März 2009. Für die Übersetzung der in italienischer Sprache geführten Antworten, ergeht ein herzliches Dankeschön an Pater Herbert Müller auf Maria Hilf, Vilsbiburg.

[57]  Internet: Wikipedia, freie Enzyklopädie, Eingabe: Orelli.


Abkürzungen:

AHV = Archiv des Heimatverein Vilsbiburg

Anm. = Anmerkung

NHB = Niederbayerische Heimatblätter. Eine Beilage zum Vilsbiburger Anzeiger

PfAV = Pfarrarchiv Vilsbiburg

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